SchimerGraf Verlag

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Oliver Storz
Die Freibadclique
Roman
Umschlag: Privatarchiv
Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen
256 Seiten, € 19,80 sFr 34,10
ISBN 978-3-86555-057-6





 

"Ein bißchen Proust für die anarchistischen Kinder des Krieges"
Hans Magnus Enzensberger

Sehnsucht nach roter Badeanzüglichkeit mit meerblauen Augen

Sie sehnten sich nach Swing und Bigband-Sound, nach Lore im roten Badeanzug und dem Ende des ewigen Marschierens…Für die Freibadclique, alle Jahrgang 1929, hatte das verordnete Heldentum keinen Funken Bedeutung mehr. Voller Poesie, rauer Jungs-Atmosphäre und ungemein lebendig erinnert sich Oliver Storz an einen denkwürdigen Sommer am Ende des Kriegs.

Leseprobe

„Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…“
Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen: Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Werber herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann im April 45 doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt; Rosenacher geht verschütt, Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da…Und acht Wochen später, als die Schule wieder los geht und man wieder auf den alten Bänken sitzt, kommt der stotternde Studienrat herein und fragt: „Wo wa-waren wir stehen geblieben?“

Drei Passagen dieses Buchs waren als Vorabdrucke in der SZ am Wochenende zu lesen. (August 2006, Juli 2007, Dezember 2007).

Die Westalliierten näherten sich Aachen. Die Russen standen vor Warschau. Bubu und ich sprangen vom Zehnmeterturm. Für Lore. Die war schon achtzehn und schaute uns trotzdem zu. Als wir aus dem Becken kletterten, gab sie Bubu einen Schmatz auf die Backe. Ich hätte auch einen gekriegt, aber in dem Moment kam ihr Leutnant von der Jagdfliegerschule, und mit dem bummelte sie nach hinten zu den Jasminbüschen. Ich sehe heute noch die Bewegung, mit der sie sich beim Weggehen den roten Badeanzug aus der Poritze zog. Es war ein Abschiedsbild. Fünfzehn war ein Scheißalter.

Pressestimmen:

"Es ist eine Mischung aus der Welt der Jugendlichen und den Ausläufern der großen Geschichte, die dieses Buch so gelungen macht. Und die knappe, wunderbar bildhafte Sprache, in der es erzählt wird." Ocke Bandixen, NDR Info "Buch der Woche"

"Manchmal senkt sich über die Diktion dieses Romans eine Melancholie, wie sie nur Freibäder haben, wenn der Sommer vorbei ist. Der Roman ... hat Bestand in seinem Mix aus Poesie und Raubeinigkeit. Er will weder belehren noch richtigstellen, sondern geht nur den Spuren eines Lebensgefühls nach: Dem Hunger nach Leben." Hans-Christian Kosler, Diwan /BR

"Ein Roman über Freundschaft und das Erwachsenwerden in einer zerrütteten Zeit. Unsentimental und leicht erzählt." Stern ("Die besten neuen Bücher")

"Storz schreibt in sinnlich-prägnanter Prosa, die manchmal an Hemingway erinnert … in einer magischen Mischung aus Intensität und Beiläufigkeit, ... aus jugendlicher Angeberei und erwachsener Abgeklärtheit."
Hartmut Wilmes, Kölnische Rundschau

"Sein Roman hat die bildliche Kraft eines Films und die Authentizität eines Zeitzeugnisses."
Silja Ukena, Brigitte (Buch Extra)

"Ein bißchen Proust für die anarchistischen Kinder des Krieges." Hans Magnus Enzensberger

"Storz ist ein eindrucksvolles Spätwerk geglückt..." A. Heimann, dpa

„Eine Jugend in Deutschland in leuchtend hellen Sätzen. Von der Straße, aus dem Freibad, an der Front. Brillant.“ Alexander Gorkow, Süddeutsche Zeitung

"Oliver Storz hat einen verblüffenden Zeit- und Entwicklungsroman über das letzte Kriegsjahr geschrieben. Verblüffend ist vor allen Dingen die schriftstellerische Leichtigkeit, mit der Oliver Storz der Schwere des Themas gerecht wird... ein kleines Stück Geschichte von fünf Freunden gegen das große Vergessen." Büchermarkt, Deutschlandfunk (podcast)

podcast SWR2, Besprechung von D. Kreidt


Zum Autor Oliver Storz