Jean Rouaud
Schreiben heißt, jedes Wort zum Klingen bringen
Ein Credo
Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke
Titel der Originalausgabe: La désincarnation
Umschlag: Jean-Etienne Liotard, Lesende junge Frau (Ausschnitt), 1750/53
176 Seiten, Euro 17,80 sFr 31,-
ISBN 978-3-86555-012-5
Die Kunst, Einblick in die Werkstatt der eigenen schriftstellerischen Kreativität zu gewähren, ist eine Seltenheit. Jean Rouaud, Goncourt-Preisträger, der mit seinem Romanzyklus um seine Familiengeschichte aus der französischen Provinz berühmt wurde, beherrscht sie mit Humor, Eleganz und ohne jede Prätention. In seinem anregenden Essay erzählt er von der Lust mit dem Spiel um die Wirklichkeit in der Literatur, in der Malerei und in der Photographie.
„Keiner wirft Cézanne vor, daß er seine Staffelei über fünfzig Mal am Fuß des Berges Saint-Victoire aufstellte, keiner Rembrandt und van Gogh, daß sie ihr ganzes Leben lang unermüdlich versuchten, diesen Widerschein ihrer selbst im Spiegel einzufangen, keiner Monet, daß er so lange zu verstehen suchte, wie das Licht die Steine auf der Fassade der Kathedrale von Rouen umspielte, bis er sie in einen bläulichen Nebel verwandelt hatte. Man ist sich darüber einig, daß in dieser Hartnäckigkeit der Wille aufscheint, den Anteil des Mysteriums zu verringern, der Wunsch, den Gegenstand bis auf den Grund zu erschöpfen.“
Und in der Literatur? Jean Rouaud, der es in seinen Romanen meisterhaft versteht, die feinen Zwischentöne zum Klingen zu bringen, der es versteht, seine Figuren mit detailgenauen Pinselstrichen lebendig werden zu lassen, zeigt in seinem eleganten, mit überraschenden Assoziationen gespickten Essays wie sich seine großen Vorgänger und Vorbilder ihren Sujets genähert haben. Zum Beispiel Flaubert, der sich durch die Kritik seiner Freunde Maxime du Camp und Louis Bouilhet nicht beirren ließ und in sieben Jahre langer Arbeit die Wirklichkeit im Leben einer Apothekersgattin in der Provinz schuf – und damit den ersten berühmten Roman des Realismus, Madame Bovary. Oder Stendhal, der glaubte, nur im Theater liege die Wahrheit und sich dreißig Jahre lang erfolglos an Stücken übte, bis ihm der große Wurf seines Romans Rot und Schwarz gelang.
„Kaum hast du einen Satz begonnen, nimmt er dich in Gegenden mit, an die du im Traum nicht gedacht hättest...“ Jean Rouaud
Pressestimmen:
"eine Art Privatpoetik... ein subtil in sich hineingesprochenes Parlando“
Süddeutsche Zeitung
„ein luzides Gedankenspiel“
FAZ
Zum Autor Jean Rouaud
Gesamtprogramm