SchimerGraf Verlag

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Luchino Visconti
Angelo

Roman
Mit einem Nachwort von René de Ceccaty
Aus dem Italienischen von Marianne Schneider
Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen
176 Seiten, € 17,80 sFr 31,-
ISBN 978-3-86555-029-3


                                 


Erstmals auf deutsch: das frühe literarische Meisterwerk von Luchino Visconti

Luchino Visconti, der große italienische Regisseur, wurde durch Filme wie Der Leopard und Der Tod in Venedig weltberühmt. Erst vor wenigen Jahren haben seine Erben nun dieses großartige, als Epos angelegte frühe Romanfragment freigegeben. Voller Sinnlichkeit und mit großer atmosphärischer Dichte beschreibt Visconti das Erwachsenwerden eines vierzehnjährigen Jungen.

                                                                         
„An einem Spätnachmittag im November kommt unter einem verhangenen, schneeschweren Himmel durch die menschenleere Stunde in gemächlichem Trab eine Droschke gefahren, die sich die schlecht gepflasterte Vorstadtstraße hinunterbewegt….“ Endlich wird Angelo, der zarte, empfindsame Junge, von seiner Mutter aus dem Krankenhaus abgeholt. Zwei Monate lang mußte er dort seine Typhuserkrankung auskurieren. Die entbehrungsreiche Zeit, die Trennung von seiner Mutter, der er in zärtlicher, hilfloser Liebe zugetan ist, scheint nun vorüber. Aber als er mit ihr zu Hause eintrifft, stellt er fest, daß die Mutter einen Untermieter, Tonino, einquartiert hat, mit dem er sich ab sofort das Zimmer teilen muß…

Selbst aus aristokratischem Haus stammend, versetzte sich Visconti diesem autobiographisch inspirierten Roman in das Leben eines Jungen aus der Vorstadt. Seine reichen, farbigen Beschreibungen der „Strada delle stalle“, ihrer Häuser und Bewohner, vor allem aber der von Armut und Sinnlichkeit geprägten Familie Angelos verraten bereits das Auge des späteren Regisseurs.

30. Todestag am 17.3.2006
100. Geburtstag am 2.11.2006



Pressestimmen:

"Es erstaunt auch nicht, dass seine Prosa-Experimente von der visuellen Detailbesessenheit und sinnlichen Bilderfülle geprägt sind, die sein filmisches Werk kennzeichnen ... Im Fragment „Angelo”, entstanden zwischen 1930 und 1937, als der Autor schon einige Kurzfilme gedreht hatte, ist das autobiographische Element zwar stark verfremdet, aber nicht zu übersehen.
Der Titelheld befindet sich in der Pubertät, der Lebensphase des sexuellen und geistigen Erwachens, für die Visconti sich zeitlebens besonders interessierte. Und es regiert hier ein Motiv, das seinen kinematographischen Blick immer wieder beschäftigen sollte: Der französische Literaturwissenschaftler René de Ceccaty, der die Ausgabe mit einem informativen Nachwort versehen hat, nennt es die „perverse Schönheit” der Armut. ... Ein Geburtstagsgeschenk für Cineasten und für Leser, nicht nur zum Hundertsten
Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung

"Will man etwas über den Menschen Visconti erfahren, kann man zu einem guten Dutzend Werkbiografien greifen. Biografisches geben auch sie in der Hauptsache über die Beschreibung der Filme preis, die ihren Schöpfer wie einen Schutzwall zu umgeben scheinen. Es lohnt daher der Griff zu Angelo ... Kaum verhohlen sind hier die Anspielungen auf Orte und Erfahrungen der eigenen Jugend. Die alles dominierende Liebe zur Mutter klingt an, die dem Heranwachsenden gleichwohl kaum echten Halt bietet; es findet eine erste gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrung statt; ein Fremder taucht auf und dringt rätselhaft, wie aus einem Gemälde von Füssli, in die Intimsphäre des Jugendlichen ein; schliesslich erscheint ein älterer Freund, der Angelo selbstlos zur Seite steht.
All diese heterogenen Motive kann man auf Viscontis Adoleszenz überblenden. Der unfertige Roman, eher das Entrée zu einem Roman, lässt ahnen, welches Talent hier unausgeschöpft blieb." Thomas Meder, Neue Zürcher Zeitung

"Ein Kleinod an Zartheit… den Übergang zwischen Unschuld und Ahnung fängt Visconti fast
schmerzhaft schön ein. Sonst so detailverliebt, beläßt er es bei ein paar Worten… sie genügen, weil die Atmosphäre, in der sie gesagt werden, so greifbar ist."
Mannheimer Morgen

"Viscontis Text ist von klarer, bestechender Schönheit, seine Figuren schweben zart und sacht über bodenlosen Abgründen. Was sie hält, ist allein das Leben selbst, das, einmal angefangen, nun einmal gelebt werden will und nach dem Wie nicht fragt. Nur wenig mehr als 100 Seiten ist die Erzählung lang, aber in diesem beschränkten Raum des Fragmentes entfaltet sich, in atmosphärischer Dichte und Intensität, die ganze Tragödie einer unglücklichen Kindheit."
Denkmal, 3sat


Zum Autor Luchino Visconti

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